Nagelfar
EP • 1997
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„So, also hierher kommen die Menschen, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier.“ (aus: R.M. Rilke „Die Aufzeichnung des Malte Laurids Brigge“) Wenn ihr nur wolltet, endete der Ekel nie. Nur kranke Toren und dumpfe Krüppel seit jeher im Zuge des Sterbens, dort wo verwestes Watschelvieh seit jeher sich bedeutungslos erbricht. Nur weniger Augen gebrochene Blicke entfesseln mein behutsam vergessenes, mein schmerzvolles, verhöhnend schüchtern, weil nur allzu bekannt, mein sich senkendes Tuch, das liebevoll, erbittend vor dem Makel, dem gemeinen, zum Bestehen mich in die Knie zwingt. Jede kleine Herrlichkeit schmilzt unter selbst kaltem Sinn, auch jedes Mein zerfließt im grundlos seichten Wasser. Denn wenn die Klage salzig aus dem Erlebten tropft – und das Unverständnis –, verliert sich mein Bild auf der Oberfläche in auseinandere fliehenden Kreisen, die, wie jede herzliche Rebellion in Worten verwässert – und angefeindet –, sich in alle Richtungen zerlaufen. Dann beginne ich sorgfältig zu vergessen, daß ich – nur ein See – doch nur Sehender bin und fühle mich wie ein Blinder, der verwundert von Farben träumt. Wie ein Blinder, der verwundert von Farben träumt Wie ein Lahmer, dessen Geist zur Melodie sich wiegt Und ein neugieriger, alter Mann, wenn er eine Blüte mit kindlicher Freude bestaunt Wie ein Blinder, der verwundet sich nach Farben sehnt Wie ein Stummer, dessen Herz die Wahrheit schreit Und wie ein neugieriger, alter Mann, wwährend er die Liebenden mit einem Lächeln segnet Doch dann Verachtung für meine Erhebung, und das Leben schlägt mich ans abendliche Kreuz.
Submitted by NecroGod — Nov 09, 2025
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