Zwischen den Jahren
I. Die Lüfte brausen rasch dahin, Spuk vernebelt der Menschen Sinn. Teufel, Gespenster und Dämonen lassen nun die Zwölfen thronen. Zwölf Nächte zwischen den Jahren, die Jagd, Druden und Nachtmahren. Welten verschwimmen in diesen Zeiten, wird man sicher ins neue Jahr dich leiten? Refrain Losnächte haben begonnen, sie haben Eis und Frost um unsere Welt gesponnen. In blauem Schein, im Dämmerlicht, bis zum Horizon geht meine Sicht. Doch bald ziehen die Nebel auf, dies' Land wird zittern im Winterhauch. Und dunkle Gestalten wüten dahin, das kommend' Jahr fragt, wer ich bin. II. Menschen suchen im Heime Schutz, die Welt gehört nicht mehr nur uns. Hörst du? Sie kommen, zu denen, die leben. Flüche und Rufe alter Seelen. Das, was war, was ist, was wird, so mancher nach dem Blick in die Zukunft giert. Zwölf Nächte zwischen den Jahren, kannst du dich vor deiner Furcht bewahren? Rauhnächte, unausweichlich, wenn das Jahresrad sich dreht. Ja, sie ziehen herauf, aus alter Zeit, so will's der Brauch.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Zum Ende vom November hin kannst du es schon spüren. Wenn eisige Nebel Gefühl und Sicht verwirren. Der Winter kommt bald über uns, du zollst ihm Tribut. Wenn Dunkelheit dich verschlingt, gefriert dein Blut. Wenn das, was fast vergessen ist, dir an die Kehle springt. Wenn du nachts kaum mehr atmen kannst, die Drud deine Träume nimmt. Refrain Die Tage werden kürzer und die Nacht bricht früh herein. Wenn der Mensch mit seine Angst nun kämpft, muss das ein Vorbot' sein. Die Zeichen werden deutlich, selbst der Zweifler glaubt nun gern. Wenn Menschen vom Spuk berichten und drauf tausend Eide schwören. II. Hexen, Luz und Teufel schon vor deiner Tür stehen. Wenn es am wütend am Hause klopft, doch niemand ist zu sehen. Sieh dich vor und halt dich still, die Toten dich schon hören. Denn diese Tage sind ihre Zeit, du solltest sie nicht stören III. Geister und Nebelfrauen dich vom Weg abbringen. Aus der Ferne kannst du hören, wie die Toten am Flusse singen. Sei nicht blind und geh in dich, lass es an dein Ohr. Im Walde schon der Wode brüllt, Rauhnächte stehen bevor.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Wenn's am Marterl spukt und der Balken knarzt, wenn der Tag vergeht und Raunacht naht. Wenn's Dezember ist und der Böhmwind weht., wenn die Luft gefriert und die Drud umgeht. Refrain In tiefer Nacht, weich gebettet, träumst ohne Argwohn deinen Traum. Doch plötzlich du erwachst, erblickst ein altes Weib voll Grauen. An die Kehle, auf die Brust springt sie die, den Atem sie stiehlt. Bis zum neblig' Morgen glaubst du, du erstickst, bis ein neuer Tag ersteht. II. Wenn ein eisig' Hauch dich berührt, nachts eine dunkle Gestalt deine Ängste schürt. Im Eck sie hockt, den welken Kopf sie reckt und eine knöcherne Hand nach dir streckt. III. Die Drud, die Drud, die Drud, sie kommt im fahlen Licht vom Dezembermond. Von bösem Fluch sie beseelt und an deiner Not labt sie sich. Sei mutig und sprich sie an, auch diesen Fluch man bannen kann. Am neuen Tag liegt die Drud gestellt und tot am Wegesrand.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Winterzeit, die Fratzen kommen, sie lärmend durch die Dörfer ziehen. Von weitem schon hörst du die Glocken, die für ihre Ankunft stehen. Habergoaß und Perchten, mit Fell am Leib, mit Ruten drohend, sind nun nah. Verbreiten ihren wilden Schrecken, vom Anblick wird dein Körper starr. Refrain Unser Land ist schneebedeckt, unser Dorf gut im Tal versteckt. An diesigen Wintertagen umziehen's dicke Nebelschwaden. Doch die Meute nie ihr Ziel verfehlt, sie hat nun unseren Ort erwählt, stürmt doch schon den Weg herauf, die Erde bebt vom Perchtenlauf. II. Schnee weht dir ins Gesicht, von kalten Stürmen wurde er geschickt. Frost untermalt das schaurig' Treiben, zur Abendstund' ein Höllenreigen. Feuer lodern wenn Perchten tanzen, ihre Schatten an den Mauern wachsen. Maskenträger in ihren Bann dich ziehen, böse Geister aus dem Dorf entfliehen. Zwischenspiel I. Schau auf ihre Schädel, Gestalten einer anderen Zeit. Hochgewachsen, voller Fell, verlierst nun deine Tollkühnheit. Tosender Lärm, Ketten rasseln, Wirklichkeit nur schwer zu fassen. Deine Sinne werden schnell entrückt, von Perchten deine Welt erdrückt. Zwischenspiel II. Unheimlich anzusehen, spürst Furcht, doch du wirst verstehen. So grausig auch ihr Anblick ist, versuche, dass du nie vergisst. Wenn Perchten kreuzen deine Wege, sei still und dankbar und ersehe. Sie vertreiben Unglück aus deinem Leben, für's neue Jahr spenden sie ihren Segen.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Es dämmert, es wird Abend, bekannte Wege und doch waren sie fremd. Nässe und Kälte durchdrangen mich, tief bis unter's Hemd. Graue Schemen im Walde dort, meinen Augen, ich traute ihnen nicht. Plötzlich flackerte und zuckte es, an der Lichtung, ein verwirrend' Licht. Zwischenspiel I. Ein Irrlicht führt mich fort, an einen unbekannten Ort. Ich folge fernem Schein, werd' ich je wiedersehen mein Heim? Refrain Sie führen mich in die Irre, weitab von meinem Pfad. Vergessen, wohin ich gehe. Vergessen, woher ich kam. Verzerrt sind die Bilder und verschwommen mein Denken. Irrlichter in der Ferne mich in das Dickicht lenken. II. WIe ein Schiff von einem Feuer in die falsche Richtung gelenkt. An messerscharfen Felsen zerschellt und versenkt. So folg' ich diesem Irrlicht, des inneren Kompass beraubt. Die Nadel im Veitstanz, im Wahne ich ihr glaub'. Zwischenspiel II. In den langen Stunden vor Mitternacht bis der Morgen wieder neu erwacht, wandere ich ohne Rast, die Beine schwer, fallen mir zur Last. Nach dem Tageslicht sehn' ich mich, Schlaf und Kälte übermannen mich. Wer hilft mir aus der schweren Not? In diesem Dunkel begegne ich dem Tod.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Belächelt als verwirrte Rede, als Aberglaube angesehen. Wird altes Wissen abgetan, unfähig, es zu verstehen. In den alten Sagen sie verankert, Weisheit der Jahrhunderte. Von Greis zu Kind überliefert, sie Epochen überdauerte. Refrain In alter Kunde es ist versteckt, erkannt durch den, der würdig ist. Mit offenem Geist nimm' auf die Worte, wenn du von den Zwölfen liest. Rat und Weisung für das Leben man in unsere Hände gab. Altes Wissen ist noch immer gültig, es nicht mit den Greisen starb. II. Wer bist du, dass du richtest über das, was man einst erlebt? Vor vielen Jahren, in alten Tagen, wonach die Menschen waren einst bestrebt? Viele Herrscher kamen und gingen, altes Wissen aber nie verschwand. Weil es noch jene gab, die da wussten, es Vergangenheit mit dem Jetzt verband. III. So ist es heute nun an dir, Überliefertes zu bewahren, zu deuten und zu verstehen, was Geschichten und Verse zu und sagen. In dir lebt fort, was die Ahnen wussten. Lass nicht zu, dass du es verlierst. Für dein eigenes Sein findest du Hilfe, du nicht allein durch's Leben irrst. Endteil Wenn du erkennst, dass es dich stützt. Wenn du einsiehst, dass es von Nutzen ist. Dann tauche ein in alte Zeit, in das Wissen der Vergangenheit. Dann baue Brücken zu deinem Jetzt, vertreibe das, was dich hetzt. Geheimnisse offenbaren sich, die Raunächte, sie rufen dich.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Die Nacht bricht an, das Licht vergeht. Erfahr' ich heut', wie's um mein Leben steht? Wenn du offen bist und stark nur glaubst, du heute in die Zukunft schaust. Refrain Im Julmond, in der längsten Nacht, geht der Dammerl im Lande um. Durch die Tür streckt er sein blutig' Bein, mit seinem Hammer schlug er schon manch' Schädel ein. Und draußen wird die Welt eiskalt, Wotans Ruf in den Bergen hallt. Kein Mensch entzieht sich dieser Macht, den Geistern der Thomasnacht. II. In Spiegeln und an Brunnen ruft, wer rastlos ist und die Zukunft sucht. Im Traum besucht dein Liebster dich und die Todgeweihten offenbaren sich. III. Schätze glühen zur zwölften Stund', we's seltsam klopfen hört, bleibt nicht gesund. Der bluadig' Dammerl sucht uns heim, greift er dich, wird's dein Ende sein. Endteil Der bluadige Dammerl in der Zwölfenzeit, eine Raunacht in der das Kommende erscheint. Mit blutverschmiertem Antlitz der Thomas Menschen jagt, diese Losnacht uns die Dinge weissagt.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Mitten in da Nacht, schwar schloft sa se im Bett. Wenn ma drin liegt, wos Unguads heat und gspiat und daschreckt. Weil drußd vom Woid in dera Zeit an Haffa finstre Gstaltn komman, mit Gsichter aus na andern Welt, de unsere boid niederrennan. Refrain I. Offane Aung, i seg koa Liacht, nur Schwoaz. Koa Mond, der scheint, mei Sirn wird hoaß. I hea, wia draußd da Deife keift und sei Gsindel um d Haiser schleicht. Bin i wach oder dramm i grod, an Raunachtstraum, bis i zittert hob? Da Näbe dicht kimmt zum Fenster ei wie a graue Hänt, de noch mir greift. II. I heal, wia d Viecher redn, ganz leise, i kanns kam versteh. Koan Fuaß mecht i do auße setzn, sonst dad mi boid da Jaga hetzn. Do heift koa Kreiz, koa Weihrauch mehr gega de Deifen und s Doudnheer. Und d schiache Luz, wias so schneibt, heat ma, wias a Messer an na Schissl reibt. I dua mi mitm Schnafa hoat, i mecht schrein, doch schaff koa Wort. Wann is de Nacht do endlich goa, san de oidn Gschichtn aiso wiakle woahr? I deng noch und hoit mi staad und hoff, dass ses draußd olle vom Sturm vowaht. I woaß ned, wos i no glaubn kann, wenn Trug und Wahrheit weschwumma san. Refrain II. Bin i wach oder dramm i grod? I hoit mi fest, weil i so zittert hob. In Hänt und Fiaß hob i koa Gfühl, bin i a Teil vo dem bösn Spui. Des se draussn in da Kältn zoagt, oa Gschroa und Grenn un unserem Ort. Jede Sekundn zähl i oba bis da neie Dog okemma is.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
I. Zwölfenzeit, die Tore offen zur Mystik und zur Anderswelt. Verborgenes sich entschleiert, wenn jene Grenze fällt. Der Grenzstein zwischen Tod und Leben in diesen Nächten birst, wenn dich uralte Stimmen rufen und du deinen Mut verlierst. Refrain Wenn Tote nachts am Flusse trauern, wenn Druden in den Ecken kauern. Wenn Geister ihre Zweifler schinden und wir im Schlaf keine Ruhe finden. Wenn die Perchtenmasken durchs Fenster blicken, wilde Jäger ihre Häscher schicken. Dies erfährst du zwischen den Jahren, diese Nächte dich zur Demut mahnen. II. Zwölfenzeit, Nächte zur Einkehr, werde dir deines Ziels bewusst. Im neuen Jahr sich aus dem Nebel erhebt, wonach der Mensch nun strebt. Raunächte, nicht nur Fluch auch Segen, wenn du ihre Weisung erkennst. Gestärkt und auf den richtigen Pfaden, du bald die Wahrheit von der Lüge trennst. Interlude Alte Schatten ihrer Herrschaft beraubt, vor langer Zeit aus unseren Weiten gebannt. Doch die Wurzeln ihrer Urkraft sind noch immer in unsere Lande gerammt. Zäh und stur sie widerstehen, trotz neuen Göttern bleibt ihre Macht bestehen. Kein Priester bringt sie je zu Fall, wenn's Raunacht ist, tönt alter Widerhall.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026