Zurück ins Waldland
Von der Nebelburg, von der Ruine hoch in Weißenstein schallt es herab.<br/> Die Sagenzeit, sie kommt wieder, wenn die Welt ihren Zauber zurückerlangt. <br/> Auf den Schachtenwiesen, da braust ein Sturm, von Böhmen pfeift der Wind herüber. Wo Urwaldbäume als Geister wandeln, sie flüstern dort die alten Lieder. <br/> <br/> Nach vielen Jahren im Woid zurück, seine Sagen sind nun neu erweckt,<br/> entsteigt dort aus dem Dunkel, was in alten Schriften so lang versteckt.<br/> Geschichten zwischen Osser und Lusen, Hohem Bogen bis zum Rachelberg,<br/> zurück ins Waldland, wo die Mythen raunen, nach Gabreta Hyle heimgekehrt. <br/> <br/> Im Spätherbste und in Winternächten, wenn es draußen finster, nass und neblig ist,<br/> erwachen alte Volksmundweisen, zur Rockarois im Kerzenlicht. <br/> <br/> Wo vor Martini schwere Glocken donnern, wo der Spuk geht um auf dunklen Seen,<br/> wo zur Sonnwend‘ helle Feuer brennen, man den Teufel sah am Brechhaus stehen. <br/> Im Waldgebirg‘, wo drei Riesen gewandert, wo Schmuggler schleichen durchs Grenzgebiet, zurück im Waldland, in der Sagenwelt, wo der Waldprophet in die Zukunft sieht.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Kimmt da Hirt mit seiner Girt, håd des Johr mid Freid ausghiart.<br/> Da Hirt muaß renna durch Regn und Wind, dass eam s‘Wossa über'n Oasch oi rinnt.<br/> Bin i gsprunga über Distln und Dorn, håds me scha sauber in meine Zehan gfroan.<br/> Drum hau i mein Stecka ei in Disch, dassds wissts, dass heid Martini is! <br/> <br/> Am Hirt‘ hintnåch gehts vo Haus zu Haus, im Glockendonner leit mas olle aus. <br/> Durch jede Straß, zu jedem Hof, an Huad diaf ins ruaße Gsicht eizong. <br/> Höllenlärm erklingt aus Metall, a Schleglgwitta und Goißlknall.<br/> Ins Novemberdunkel marschiert da Woif, in Reih und Glied, mit oidem Waidlerstoiz.<br/> <br/> Diesige Novemberdåg, d’Luft is scha koid und noss und scha boid geht‘s wieder af Martini zua.<br/> Bevor da Winter einabricht und da Schnee im Woid hernieder geht, spricht da Hirt‘ sein Spruch, hängt se da Woif d‘Glockan um. <br/> <br/> D‘Haiserwändt in da Stub’n zittern, ma moant boid da Bo‘n duad se af. <br/> Bei uns herin, do wissen olle scha, dass heid da Woif umgeht. <br/> Und Glockan schebban und Goißln schnalzen, bis se koa Viech traut se mehr her,<br/> Grimmige Gstalten leitn aus im Dorf, a Takt wie im weydn Heer.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Im alten Schlosse zu Rammelsberg herrschte einst die Gräfin Wecklin. <br/> Für Neid und ein hartes Herz war sie bekannt, ihre Strenge war gefürchtet im Schönberger Land. Die Armen am Schlosse hat sie verwiesen, warf stattdessen die Speisen den Viechern vor. Unbarmherzig war sie gewesen, doch am Ende stand auch ihr der Tod bevor. <br/> <br/> Am finsteren Hange des Rachelbergs liegt am Fuße dort ein dunkler See.<br/> Hirten und Jäger scheuen den Ort, wo seit jeher spuken arme Seelen.<br/> In eisern‘ Schuhwerk in den See verbannt, die geizig‘ Gräfin beim Wiedergang,<br/> bis der Bosheit endlich Sühne getan, schwebt sie am Rachelsee entlang. <br/> <br/> Schaurig im Tale liegt er dort, in ewigem Waldesgrün.<br/> Von Geistern, Verbannten und verlorenen Seelen weiß er zu erzählen. <br/> Auf dem dunklen Wasser vom Rachelsee, Totenlichter tanzen dort.<br/> Mystik und Spuk zwischen den Bäumen, vom Volke einst ein gemiedener Ort.<br/> <br/> Schaurig im Tale liegt er dort, in ewigem Waldesgrün.<br/> Von Geistern, Verbannten und verlorenen Seelen, weiß er zu erzählen. <br/> Am Ufer dort vom Rachelsee sitzt die Gräfin in einem fahlen Kleid.<br/> Sie weizt umher in der Sonnwendnacht, sühnend bis zum Ende der Zeit.<br/> <br/> Beim Begräbnis aus dem Sarg gefallen, spukte die Tote bald im Viecherstall. <br/> Mit den Schweinen aus dem Troge fressend, rächte sich der Armen karges Mahl.<br/> Der Graf konnt‘ den Anblick nicht ertragen, holte sich bei einem Manne Rat,<br/> der die spukend Gräfin weitab verschaffte in das kalte Nass vom Racheltal.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Der Hut sitzt tief im geschwärzten Gesicht,<br/> fernab der Pfade, wir entziehen uns der Sicht.<br/> In der finsteren Nacht kommt unsere Zeit, sei unser Weg auch noch so weit.<br/> Der Schmugglerstand, oft im Volk beliebt, auf dass uns heut kein Zöllner kriegt!<br/> Taschen voller Tabak, Ochs und Roß führt die Hand, über die Grenze hinüber ins Böhmerland.<br/> <br/> Ein Signal an die Grenzstation,<br/> bei Eisenstein gehen die Schmuggler um.<br/> Im Unterholz knackt es bei Furth im Wald,<br/> und nahe Phillipsreuth wurd‘ ein Zöllner abgeknallt.<br/> Schwirzer gegen Zollmannschaft,<br/> von Bayern nach Böhmen in der Schmugglernacht.<br/> Im Mondschein haben die Schwirzer gesiegt,<br/> in der Dunkelheit, tief im Grenzgebiet.<br/> <br/> In Kvilda haben wir uns aufgemacht, über den Lusen geht es heute Nacht.<br/> Heut Nacht gilt’s, die Kundschafter voraus, sie spähen für uns die Zollwacht aus.<br/> Mit geheimen Zeichen, nur uns bekannt, führt der Weg zurück ins Bayernland.<br/> Wie Geister streifen wir umher, im bayerisch-böhmischen Wäldermeer.<br/> <br/> Bis zum Grenzstein sind’s noch hundert Schritt als einer von uns in dürre Äste tritt.<br/> Das Herz schlägt wild, nun allesamt im Lauf, denn das Knacken schreckte die Grenzer auf.<br/> Raues Geschrei der böhmischen Wacht und schon pfeifen deren Schüsse durch die Nacht.<br/> Der letzte von uns über den Grenzstein springt, mit vollen Taschen von rettend‘ Dunkelheit umringt.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Vor mehr als drei Jahrhunderten lebte die Dienstmagd Afra Dickh.<br/> Ihren kargen Lohn verdiente sie beim Bauern Frueth, nahe Ringelai, in Wittersitt. Das Protokoll erzählt von Hexerei, von Giftmord und von großem Leid. Was um 1703 wirklich geschah, liegt versteckt im Dunkel der Vergangenheit. <br/> <br/> Im Woid bei uns, da lebte sie, jung und schön stach sie heraus.<br/> Nicht alle im Dorf waren ihr zugetan, für manche war sie ein Graus.<br/> Ein Brand, krankes Vieh und Teufelsbund, auf der Gabel hoch oben beim Hexenritt. Für das Unglück im Dorf ein Sündenbock, brannte sie als Hex‘ von Wittersitt. <br/> <br/> Eines Nachts haben sie Afra abgeführt in die Fronfeste zu Perlesreut. <br/> Mit zwei anderen Frauen als Hexen beschuldigt, die Vorwürfe waren breitgestreut. Kräuterkunde und vergiftetes Vieh, Buhlschaft mit dem Teufel und ein Feuer gelegt. Der Scharfrichter bald das Urteil vollstreckt, denn die Befragung hat alles aufgedeckt. <br/> <br/> Die drei Frauen in Todesangst suchten ihr Schicksal abzuwenden. <br/> Trotz gegenseitiger Beschuldigung konnten sie der Strafe am Ende nicht entrinnen. Afra Dickh, die Hex‘ von Wittersitt, fand ihren Gnadentod durch das Henkersbeil. Auf dem Scheiterhaufen brannte sie am 1. Juni 1703.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Mächtige Riesen hausten einst auf unseren Bergen. Den Bauern stahlen sie die Ernte und das Vieh. Der größte von ihnen wurd‘ Arwa genannt. Als Schreckensbringer gefürchtet im ganzen Bayerwald. <br/> <br/> Des Köhlers Sohn hütet das Vieh am Fuße der Wand des Arbersees. Des Nachts sieht er ein seltsam‘ Schauspiel, oben in des Riesen Reich. Mutig steigt er hoch hinauf bis zur Bergwies‘ er gelangt. Im Bürstling brennen tausend Kerzen, der Arberberg ist feurig hell. <br/> <br/> In einer Höhle saßen drei Riesen zusammen. Arwa, Ossa und Falku feierten ein trunken‘ Fest. Soffen aus Ochsenhörnern und fraßen zentnerweise Braten. Der Riese Arwa im Rausche schließlich verriet sein Geheimnis. <br/> <br/> Der Köhlerssohn ist ganz Ohr als der Riese von dem Schatz erzählt, belauscht die drei in den Felsen, hört von Gold- und Silberstück‘. Im Berge Arber liegt versteckt des Schreckensbringers güldener Hort. Falku und Ossa hören erstaunt, wie Arwa vom Schatz im Berge prahlt. <br/> <br/> Der Köhlerssohn sieht in der anderen Nacht, wie Arwa auf dem Berg ein Licht entzündet. Im Dunkel sieht der Riese nach dem Schatz, stapft mit der Kerze hinunter zum Arbersee. Die Nixen hört man im Wasser raunen als sie des Köhlerssohns Absicht erkannt. Am Ufer stellt Arwa die Kerze zu Boden und wankt über Wurzeln dem Wasser zu.<br/> <br/> Sein Weg entgeht dem Köhlerssohn nicht, er steigt hoch hinauf und löscht das Kerzenlicht. Im Dunkel des Waldes stürzt der Riese ins Nass, hinein in den finsteren Arbersee. Die Nixen ziehen ihn tief nach unten, schließen ihn dort für immer ein.<br/> Die Lage aber, wo der Schatz verborgen, weiß bis heute der Riese Arwa allein.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Da Deife am Brechhaus<br/> <br/> Am Dorfrand steht a Haisl drent, unscheinbar und doch im Ort bekannt,<br/> wo da Flachs fleißig brocha wird, wo s drin werkeln bis afd Nacht.<br/> Und geht dann d‘Stund auf 11e zua wird s‘Dågwerk zur Seitn glegt.<br/> Und vom Woid aus schaut oana zua, wia’s im Brechhaus damisch obageht. <br/> <br/> Um des kloane Haus am Waldesrand schleicht da Goaßfuaßad im Jagergwand. <br/> Er lauert auf de braven Leit, kemmts eina zu meim sündig‘ Treibn! <br/> Da Deife am Brechhaus!<br/> <br/> Um 11e is dann a soweit, d Spuikoatn wern aussa zong.<br/> In Disch, do wird etz eine droschen, Frauen und Manner schaun se diaf in d‘Augn. Und vo draussd schaut oana im greana Gwand durchn Türspalt dem Treibn im Haisl zua. Am Disch feit no a vierter Mann, oane wünscht se zum Danzn no an feschen Buam. <br/> <br/> Etz geht a ei ins Haus am Woid und d’Kartler schaun se olle a.<br/> Er führt a Frau in weydm Tanz und d‘Spieler ham an vierten Ma.<br/> Am Kartler foit a Koatn oi, segt an Goaßfuaß unterm Disch drin steh.<br/> D’Frau is doud, d’Kartler rennan, im Brechhaus herrscht a Doudnruah.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026
Über Schachtenwiesen sah man ihn wandern, groß und hager die Gestalt.<br/> Aus Rabenstein stieg er hinauf in den Wald. Seine Worte wissend, bis heute nie mehr verhallt.<br/> <br/> Der Waldprophet, ein fernes Echo einer längst vergangenen Zeit.<br/> Doch was er sah und was er sprach im Gedanken und im Geist verbleibt.<br/> Mühlhiasl, Stormberger, viele Namen werden genannt. Ein alter Mythos um den Weissager, um den Seher aus unserem Land. <br/> <br/> A eiserne Straß‘ wird in‘ Woid eibaut und a eiserner Hund wird beyn!<br/> Bruader wird Bruader nimmer kenna und d‘Muatter ihre Kinder ned! <br/> <br/> In langem Mantel und mit bärtigem Antlitz sah man ihn durch die Wälder streifen.<br/> Ein alter Hut bedeckte sein Haupt, in den Nebeln erkannte er so manches Zeichen.<br/> Vom ganzen Walde kamen die Menschen, um zu hören, wie der Waldprophet die Zukunft sieht. <br/> Doch verworren und düster waren die Worte über das, was im Kommenden liegt. <br/> <br/> Da Woid wird so liacht wie vom Bettler s‘Gwand!<br/> Es wird weida geh und Himme‘ und Erd‘ werdn brenna!<br/> Am Ende, do kimmt des grouße Benkobramma!<br/> Dann is de Zeit kemma, wenn mit Feia und Schwefe de weyde Jagd über olle Länder braust.
Submitted by Iron_Wraith — Jun 06, 2026