Expedition I: Dissonanzgrat
Alles brich auf - in mir Tiefnachtschwarze gebiert aus dunklem Fleck ein Licht Tiefwaldatum aus dumpfem Borkenleibe spricht Seelenkrustenhaarriss kriecht und furcht mir einem neuen Meridian Geistkerkerhafterlass gehährt bevor die letzte Chance vertan Mein Existenzverschleiß genest und sachte brechen neuе Tage an Triebkraftkernеntmantelt brech' ich auf und schreite meinem Drang voran Durch ein Tannenmeer kriecht stiller Dunst Nachtatem verdampft in kalten Schwaden Nur ein Glimmen, ferner Schimmer Tagundnachtsollbruchstelle Noch finstert im Tal, jenem unlängst entsagten Alles Leben, alles Sein vor dem mir so graut Ferner Glockenklang verblasst - Lebt wohl, all ihr Verzagten! Und wie sachtes Ermatten verdumpft jeder Laut Nur Niederes in Niederungen Alles bricht auf - in mir Der alte, graue König thront und allzeit brüllt sein Schweigen Zu Staub zerfallen, erodiert greint sein zermahl'nes Reich Und unterm ewig' Joch bedrückt, umkreist vom Weltgangreigen Scheint meine Staubkornexistenz nuhmehr der seinen gleich Steinthronräuber Nebelgeistkonturen zieh'n, entlassen aus dem Grau Gleich Schattenrissgestalten auf der Jagd nach Forn und Leben So sehr auch lockt die Zinnenkron, weiß ich doch ganz genau: Der Eherne ruht unberührt und wird sie uns nicht geben Auf Kolossgebeinen droben lodert Totenlicht In knochenweißem Feuer, wie Gestirne kalt und pur Ein Brodem wallt wie Drohung und umwebt die klare Sicht Der Atempdampf des Erdenleibs quillt über Feld und Flur Bergwurzeldröhnen - Bergherzvibration
Submitted by SerpentEve — Jun 15, 2026
Vorzeitrauschen flirrt in mächtiger Stille Über dem Schwadenmeer Ehern thront das Mirmament und dröhnt In gottlosem Schweigen Zweckgeheil'gte Bruderschaft, gefügt durch Seil und Eisen Strickvereinigt, Leinenbrüder, auf allzu schmalem Pfad Als Schicksalsbande eitel nach dem hehren Hohen strebend Selbstbetrog’ne Karawan auf bruchgeweihtem Grat Traue ich dеm Fels, der mir den sich'rеn Tritt versagt Trau' ich dem Gefährten, der meinem Sturz den Vorrang gibt Trau’ ich meiner selbst, bis doch mein schwankend Herz verzagt Trau' ich allem um mich her bis nacktes Sein den Vorhang schiebt Traue nicht dem Seil, das vor dir in den Nebel schwindet Traue nicht der Hand, die sich dir durch den Dunst entgegenstreckt Traue nicht dem Wort, das sich durch Schemen an dich bindet Traue nicht dem Freund, der seinen wahren Kern vor dir verdeckt Entlang des Kamms, der Windung folgend, in trauter Einigkeit Der Pfad verdichtet sich zu Steig und endet ohn' Geleit Denn Argwohn gärt und trägt bald Früchte, Brutus! Es ist Zeit! Wolfsnatur dem Lammgezücht sich allzu rasch entzweit Gratüberschreitung in Lämmerprozession Gratüberwindung in Wolfsisolation Am spürbaren Ende der sichtbaren Welt Wo Argwohn einhergeht und Hader Hof hält Verdamm' ich das "wir" und send' euch zum Fraß Für die Niederungshydra, die heißt Mittelmaß Mannschaft - Seilschaft Bruderschaft - Einzelkampf Lass uns scheiden, eh's zu spät Und trennen unsre Bruderschaft Kapp das Seil, zerreiß' die Bande Am Scheideweg der Willenskraft
Submitted by SerpentEve — Jun 15, 2026
Wenn der Rohstoff Furcht versiegt, wer füttert dann das Biest ? Mahnende Finger zum weißen Nichts verheißungsvoll emporgereckt Windzerbiss'ne Baumgerippe - nackt und tot und doch am Leben Im trüben Dunst verholzte Schemen gebeugter Gespenster, eisbedeckt Einbalsamiert, dem kalten Todesschlaf im weißer Ewigkeit gegeben Hagelschlag wie Trommelfeuer Jeder Eisdorn birgt in sich die Himmelswut aufs Erdenleben Graupelschwärme, Eisspornstreuer Tausend weiße Taufel stoßen mir die kalten Dronen in die tauben Wangen Wenn Sturmgott brüllt und lärmt, erträgt die Seele nunmehr Schweigen Und wenn die Stimme mir versagt, will ich das Wort aufzeigen Freigeschürft, enthüllt sind meine tiefsten Apokryphen Der Urweltlektor mag sie auf Beständigkeit nun prüfen Wo ewige Frequenzen einer weißen Vorwelt Klang verleih'n Lass vom starren Blankeisfeld ein Lebensecho angedeih'n Wo Steilwandwall und Karstbastion mich feindselig umdrängen Lass Abgrund, Sturm und Fleisch zu heil'ger Einheit sich vermengen Ich schmecke Stein, ich rieche Eis Mein Dasein rauscht und färbt sich weiß Ein Bruchsteinkatarakt ergießt sich Als Sturzgeburt echter, wahrhafter Angst Felszahnattacken im Geröllfeld Knochen-, Fleisch- und Seelenfraß Muskelzehrung bis zum Sehnenbrand Seelenprüfung zur Existenzermüdung Phlegma nagt und nährt das Biest Titanenschlacht im Innern - der Adler kreist Verzweiflungskratzmal in Granit Trotzsymbol - Totenkopf
Submitted by SerpentEve — Jun 15, 2026
Graugrenzüberschreitung Horizontalneuverortung Gnadenarme Reinheit Zerrt die Farben Aus dem Leben Daseinsreduktion Auf Umriss und Kontrast Kontur zu Schraffur Auf Eisenzähnen bahnt sich der Schritt Über Firnfelder, weiß, kalt, bedrohlich und klar Belauert von Gleichmut wird schwer mir der Tritt Auf Gedeih' und Verderb nehm mein Leben ich wahr Die Sprache des Verharrens ist die Sprache des Todes Im Wechselzwist aus Faser, Mineral und Kristall Schneefahnen wehen von den Zinnen Gleich einem zynischen Befehl zur Kapitulation Von Eiskristallen breit gestreut im weißen Wahn Kaleidoskop meiner Ängste Als schwirrend-fahler Wandwurf kriecht mein Zerrbild Urfurchtverdichtung hinab zu nacktem Sein Zerriebenes Leben, erodiertes Streben
Submitted by SerpentEve — Jun 15, 2026
Mensch - und weiter! heißt die Gleichung Nur Variablen, doch der Wert schein absolut Gipfelwärts ereifert sich alles Das aufgebrochen... und mehr Der Wille liegt' im grimmen Wettstreit Mit dem Kaltfrontheer Im Äußern wallt, im Innern Schäumt Orkan aus Leibessäften Sinnesverdichtung, Seelenerhäften - Besteh'n im komprimierten Jetzt Auf, treibt mich Gehorsam Den der Kopf dem Fleische abverlangt Sturmschreis keifen, gebeuteltar Körper Im rohen Niederwurf zersetzt Mir scheint, ich hab' im Angriff schon Als Thronanwärter abgedankt Ein Gipfelsturmgebet schraubt sich in die Winde Dem Unheilsbrodem reißt der Sturmschleier Für einen Augenblick In Atemstagnation und Zeitsillstand Gewahrt der primitive Sinn Ein morsches Monument trotzt frech Der Zornschlacht aller Wettergötter Sturmgebeutelt, wettergenagt, von zerfallner Hülle Doch standhaft im Kern Im Todeskampf keimt Lebenswunsch, ein Wert für Existenz Steigen - Streben - Sein! sei meines Eifers Kernessenz Erlebtes so antrisch So wenig romantisch Gefurcht in tiefe Seelenbahnen Gezeichnet in den Zügen Und über mir Schließt sich Weißgezahnt Das große, schwarze Maul
Submitted by SerpentEve — Jun 15, 2026